Sonja hat mich auf den Begriff „strukturelle Gewalt“ hingewiesen.
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Der umfassende, nicht trennscharfe und personal nicht zurechenbare Gewaltbegriff wurde zu einem klassischen Topos, um insbesondere gewalttätigen Widerstand theoretisch zu legitimieren. So urteilt etwa Albert Fuchs, Mitglied des Instituts für Friedensarbeit und gewaltfreie Konfliktaustragung: „Bei Galtung geht es um die Skandalisierung herrschender Verhältnisse, Diskreditierung ihrer Repräsentation und Agenten und Rechtfertigung von Widerstand gegen diese Verhältnisse.“[2]
So argumentierte auch Herbert Marcuse, wenn er betonte, dass es für unterdrückte Minderheiten ein „Naturrecht auf Widerstand“ gebe: Wenn diese Minderheiten Gewalt anwendeten, so begönnen sie keine neue Kette von Gewalttaten, sondern zerbrächen die etablierte. Hierin wird deutlich, dass der Begriff der institutionalisierten Gewalt impliziert, dass eine Überwindung der beschriebenen Zustände im Wege der inneren Reform nicht möglich ist. Wenn die strukturelle Gewalt den kritisierten Gesellschaftsformen wesenshaft inhärent ist, so bedarf es eines revolutionären Prozesses, um sie aufzubrechen.
Dies war beispielsweise auch eine zentrale Legitimationsstrategie der RAF, die revolutionäre Gewalttaten stets mit der vorgängigen „Gewalt des Systems“ rechtfertigten, wobei sie selbst definierte, was als „Gewalt des Systems“ zu gelten habe.
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Dr. Barcha hat allerdings nicht von „struktureller Gewalt“ geschrieben, sondern
Der Libanon-Krieg (2006) beruhte nicht nur auf militärischen Fehlern und Fehleinschätzungen, sondern vor allem auf strukturellen politischen Fehlleistungen (Extremismus).
Hervorhebung von mir.
Strukturelle politische Fehlleistungen sehe ich nicht als Synonym fuer „struktureller Gewalt“. Im Zwischenbericht der Winograd-Kommission werden einige Punkte genannt, die ich unter strukturelle politische Fehlleistungen subsummieren koennte, z.B.:
15. Concomitantly we determine that the failures listed here, and in the outcomes of the war, had many other partners.
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e. Another factor which largely contributed to the failures is the weakness of the high staff work available to the political leadership. This weakness existed under all previous Prime Ministers and this continuing failure is the responsibility of these PMs and their cabinets. The current political leadership did not act in a way that could compensate for this lack, and did not rely sufficiently on other bodies within and outside the security system that could have helped it.
f. Israel’s government in its plenum failed in its political function of taking full responsibility for its decisions. It did not explore and seek adequate response for various reservations that were raised, and authorized an immediate military strike that was not thought-through and suffered from over-reliance on the judgment of the primary decision-makers.
(…)
Dementsprechend macht die Winograd-Kommission auch Vorschlaege, wie die Strukturen der politischen und militaerischen Entscheidungsfindung verbessert werden koennten.
Ich bin nicht sicher, in welchem Sinn Dr. Barcha von strukturellen Fehlentscheidungen sprach. Allerdings mehren sich die Indizien, dass er moeglicherweise wirklich eine Position vertritt, in der „strukturelle Gewalt“ und damit ein Widerstandsrecht gerade gegenueber demokratisch verfassten Rechtsstaaten eine zentrale Rolle spielt.
Verfasst von beer7
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